Formen der Zusammenarbeit
»Die Koordination einer Gruppe kann sich im Miteinander einfach ergeben, von »oben« vorgenommen werden oder von ihr selbst gezielt entwickelt werden.«
(Quelle: Eberhard Stahl, Dynamik in Gruppen, Beltz Verlag)
Um zu entscheiden, welche Form der Zusammenarbeit für dein Vorhaben die richtige ist, hier eine Orientierungshilfe:
• Selbstorganisation
Der Gruppenvertrag ergibt sich von selbst. Das heißt, die Vereinbarung darüber, wie miteinander gearbeitet wird, ergibt sich von selbst. Die Gruppenmitglieder handeln miteinander und entwickeln ohne viele Worte eine Gesprächskultur und organisieren sich untereinander. Hier stehen Freiwilligkeit und Selbständigkeit der Einzelnen im Vordergrund.
Der Gruppenvertrag ergibt sich von selbst. Das heißt, die Vereinbarung darüber, wie miteinander gearbeitet wird, ergibt sich von selbst. Die Gruppenmitglieder handeln miteinander und entwickeln ohne viele Worte eine Gesprächskultur und organisieren sich untereinander. Hier stehen Freiwilligkeit und Selbständigkeit der Einzelnen im Vordergrund.
• Führung
Eine Gruppe kann sich für eine Führung entscheiden und bestimmen, wer diese Rolle übernehmen soll. Sie ist häufig gewählt und temporär. Manchmal wird eine Führung »von oben« vorgegeben – das nennt man dann Diktatur oder Monarchie. Die Führung moderiert und guckt, dass alle gut miteinander wirken und an einem Strang ziehen. Wenn es plötzlich sehr schnell gehen muss, liegt es in der Verantwortung der Führung, eine klare Richtung vorzugeben und zu handeln. Eine Führung sollte sich folgendes fragen: Sind Arbeitsphasen richtig gesetzt? Braucht es öfter ein Treffen im Plenum? Mehr Zeit für bestimmte Inhalte? Hat jede:r Arbeitsmaterial und Grundlagen, die er oder sie braucht?
Eine Führung ist nämlich nicht nur dafür da, Arbeitsphasen zu planen, sondern dafür zu sorgen, dass die Gruppen gut arbeiten können. Dabei spielen folgende Fragen eine Rolle: Sind alle an Bord? Kommen alle zum Zug? Sind die Aufgaben gut verteilt? Wer braucht Unterstützung oder Verstärkung? Wer ist zu schnell unterwegs?
Wenn in einer Gruppe offiziell niemand führt, wird meist trotzdem geleitet. Es gibt immer Personen, die in das Leitungs- und Entscheidungsfunktion einspringen und diese Aufgabe übernehmen. Häufig wird darüber nicht gesprochen, die Situation wird stillschweigend akzeptiert. Schwierig ist diese »versteckte Leitung«, weil sie nicht wirklich beschlossen wurde und die leitende Person nicht weiß, ob sie die Akzeptanz der Gruppe hat. Zum anderen kann eine »versteckte Leitung« auch nicht zur Verantwortung gezogen werden, weil sie ja offiziell nicht führt. Deshalb ist es ratsam, in solchen Situationen die »versteckte« Leitung offen zu machen und abzusprechen, ob diese Person auch weiterhin und damit offiziell leiten soll und will.
Hier noch ein paar Worte an die Gründer:innen, Köpfe, der Düsenmotor einer Arbeitsgruppe: Ihr seid die ersten, an denen sich die anderen möglicherweise wenden. Wenn ihr also dazu neigt, unpünktlich zu sein, Verabredungen schwer einhalten könnt, euch gern ablenken lasst vom Thema oder vom Ziel, Zeitstrukturen nicht einhaltet … wundert euch nicht, wenn sich die Gruppe daran ein Beispiel nimmt bzw. davon ausgeht, dass das die Art und Weise ist, wie hier miteinander gearbeitet wird.
• Selbststeuerung
Während die Selbstorganisation sich von selbst ergibt, ist die Selbststeuerung eine bewusste und zielgerichtete Organisation und Führung der Gruppe durch die Gruppe. Es verlangt von den Gruppenmitgliedern einen verbindlichen Austausch, um sich aufeinander abzustimmen, einen fruchtbaren Umgang mit Konflikten und ein von allen anerkanntes Entscheidungsverfahren.
Die Selbststeuerung ist ebenso wie die gewählte Führung in der Lage, den Arbeits- und Gruppenprozess zielgerichtet zu gestalten und stärkt die Gruppe wie die Selbständigkeit jedes:r Einzelnen. Diese Arbeitsweise dauert und braucht viel Geduld. Es muss viel gesprochen, immer wieder neu definiert und auseinandergesetzt werden. Es kostet viel Energie. Diese Arbeitsform macht Sinn, wenn die Gruppe einen Wert an sich hat und auch ohne das geplante Vorhaben wichtige persönliche Ziele miteinander teilt und verfolgt.