Im Falle einer Notfallsituation gibt es einen Stab von Fachleuten und Verantwortlichen, die sich zusammenfinden und die Lage besprechen, sowie über den Fortgang der Veranstaltung entscheiden. Der Krisenstab besteht in der Regel aus:
• verantwortlichen Personen/Betreiber:innen der Veranstaltungsstätte
• Veranstaltungsleitung
• Sicherheitsbeauftragten
• Sicherheitsdienstleister:innen
• Techniker:innen
• Polizei
• Feuerwehr
• Rettungs- und Sanitätsdienst
Hilfreiche Tipps im Krisenmanagement
In Krisen ist die Vorbereitung die halbe Miete. Daher folgen hier ein paar Ratschläge, um in einer Notfallsituation auf eurer Veranstaltung die Ruhe zu bewahren:
• Die Worst Case Situationen sollten vor der Veranstaltung hinreichend durchgesprochen werden. Setzt euch im Team zusammen, stellt euch die Fragen: Was kann im Falle eines unerwarteten Unwetters passieren und wie würdet ihr die Situation entschärfen bzw. lösen? Wer würde welche Aufgabe übernehmen können?
• Nach dem ihr diese Fragen beantwortet habt, bewertet die jeweiligen Gefahren. Denn Krisensituationen sollten zunächst in der Gefahrenanalyse von euch bewertet werden. Wenn einer oder mehrere der Fälle eintreten, müsst ihr in dem Moment klar auf den Sachverhalt reagieren können und dementsprechend auch handeln. Instinktiv würdet ihr vielleicht eher unstrukturiert versuchen, irgendetwas zu tun und kopflos durch die Menge laufen, sodass niemand weiß, was zu tun ist. Dies hilft allerdings, wie Ihr euch wahrscheinlich denken könnt, niemandem.
• Euer gesamtes Team sollte von euch informiert und einbezogen werden, also alle, die in die Veranstaltungsdurchführung involviert sind. Es ist in vielen Stresssituationen der wichtigste Pfeiler für ein erfolgreiches Krisenmanagement. Daher solltet ihr transparent mit ihnen kommunizieren.
• Schnelle und transparente Außenkommunikation ist ein wichtiger Baustein im Krisenmanagement, sowohl an die Partner:innen der Veranstaltung und die Gäste. Gegebenenfalls benötigen alle eine Ansage:
• was gerade für ein Problem herrscht (Unwetter)
• wie die Menschen damit umgehen sollen (z. B. ruhig bleiben, die Gäste sollen sich in die Scheune des Bauern xy begeben und dort weitere Informationen abwarten etc.)
• wie die Aussichten sind (erklären, dass ihr abwarten müsst, bis sich die Wetterlage beruhigt hat, ihr wenn möglich versucht, anschließend den Platz wieder herzurichten
• was die Alternative sein könnte (dass ihr Shuttlebusse zur nächsten Turnhalle zum Übernachten organisiert etc.).
• In jeder Krise steckt auch eine Chance. Sie sind Möglichkeiten, Erfahrungen zu
sammeln, um auch mehr Sicherheit für folgende Veranstaltungen mitzubringen.
Gefahrenanalyse – Auflistung möglicher Gefahren
Sakschewski, Klode und Paul haben in ihrem Buch »Sicherheitskonzepte für Veranstaltungen – Best Practices« folgende hilfreiche Auflistungen erstellt, um im Krisenfall an mögliche Gefahren zu denken.1 Geht bei der Gefahrenanalyse die Listen durch. Sie sind nicht komplett, da immer wieder noch mehr unvorhersehbare Gefahren dazu kommen können. Sie bietet dennoch eine sehr ausführliche Übersicht.
A – Strukturelle Anfälligkeit des Ortes:
• Technische Gefahren können zum Beispiel sein:
• Brand
• Energieversorgung und technische Störungen
• Ausfall und oder Überbelastung der besucher:innenrelevanten Infrastruktur
• Einsturz von Bauteilen
• Übertragung von Infektionen und Krankheitserreger
• Ausfall des Telefon-, Mobilfunk- und Funknetzes
• Schädigung der Umwelt
• Lärmemission
• Naturgefahren und Witterung
• Starkregen
• Hochwasser
• umstürzende Bäume
• Sturm
• Hagel
• Starkregen
• Gewitter und Blitzeinschlag
• Hitze und Sonneneinstrahlung
• Kälte, Glatteis
• Unterkühlung / Verbrennung / Dehydrierung von Personen
B – Einwirkungen von außen:
• Störung der Veranstaltung
• Vandalismus, Pyrotechnik
• Bombendrohung, Anschlagsdrohung
• Anschlag, Amoklauf
• Ausfall der Verkehrssysteme
• Demonstrationen und Streik
• Parallelveranstaltung
• Globale Ereignisse
• Absage von Künstler:innen oder Gästen
• gezielte Falschmeldungen
• Ausfall und / oder Überlastung der Verkehrswege
• Blockade von Flucht- und Rettungswegen
C – Besucher:innenzusammensetzung und Verhalten
• Gefahren durch Verhalten der Gäste
• Außergewöhnliche Programmelemente (z. B. Kerzen)
• Sicherheitsrelevante Personengruppen
• Flashmobs
• Werfen von Gegenständen
• gewalttätige Personen
• Überklettern von Abschrankungen, Umweltzerstörung
• Glasbruch
• Gedränge
• Überfüllung
• Besucher:innendruck
• Kriminaldelikte
• Aufforderungen der Künstler:innen (Circle Pits, Wall of Death, Stage Diving etc.)
• Unmittelbare Gefahren für Leben und Gesundheit
• Individuelle Verletzungen und Erkrankungen
• Drogen- und Alkoholmissbrauch
• Todesfälle
D – Organisation
• Konzepte unbekannt
• Zuständigkeiten unklar
• Überforderung (fachlich und zeitlich)
• Psychische Probleme
• »Gut gemeint – schlecht gemach«
• Fehlende oder mangelhafte Kommunikation
• Selbstüberschätzung
• Persönliche Differenzen / Abneigung
1. Sakschewski, Klode, Paul, et al. Sicherheitskonzepte für Veranstaltungen – Best Practices, S. 337 ff. 2. überarbeitete und erweiterte Ausgabe ed., Berlin, Beuth Verlag GmbH, 2020.