• Gruppendynamik und Gruppenphasen
Das Geschehen in Gruppen folgt oft einer eigenen Regel. Im Laufe dieses Prozesses entwickelt und verändert sich die Gruppe im Hinblick auf Zusammenarbeit, Ziele und Aktivitäten. Das Ganze kann auch als ein Kreislauf beschrieben werden oder eine Spirale, die sich immer weiterbewegt. Bruce Tuckmann hat die Gruppendynamik zuerst in vier und weiter in fünf Phasen beschrieben, die jede Gruppe durchläuft:
1. Forming – Gründungsphase
Die Forming-Phase ist die Einstiegs- und Findungsphase. Sie bezieht sich also auf das erste Zusammentreffen. Wer ist hier in der Gruppe? Wie verhalten sich die Anwesenden? Wie wird der erst Kontakt untereinander aufgenommen? Langsam beginnt sich die Gruppe zu formieren, es entstehen Verbindungen und die Einzelnen beginnen, sich zugehörig zu fühlen. Am Anfang gibt es noch viele Unsicherheiten und in der Regel gehen alle vorsichtig miteinander um.
2. Storming – Streitphase
Die Gruppe hat sich und einen gemeinsamen Nenner gefunden. Nun wird es interessant, was die Einzelnen in der Gruppe voneinander unterscheidet. Der eher vorsichtige Umgang ist von Gestern. Jetzt geht es darum, dass sich die Mitglieder positionieren. Es gibt Konflikte und Positionen, die aufeinanderprallen. Es gibt Konkurrenzen und Fronten. Diese Phase ist sehr nützlich, um die vorhandenen Unterschiedlichkeiten und Ziele auf dem Tisch zu haben und bis in die Zuspitzung miteinander auszutragen. Hier kann die Grundlage dafür geschaffen werden, was dieser Gruppe wichtig ist und wie sie zukünftig arbeiten will.
3. Norming – Vertragsphase
Die Konflikte sind ausgetragen und die einzelnen Positionen sind sichtbar geworden. Nun geht es darum, auf was sich die Gruppe gemeinsam verständigen kann. Es gibt also einen Aushandlungsprozess: Wo gibt es Übereinstimmungen? Wie können Kompromisse aussehen, mit denen alle weitermachen können? Wo sind Ausnahmen möglich? In dieser Phase wird der Gruppenvertrag geschlossen bzw. eine Verbindlichkeit hergestellt und Vereinbarungen getroffen, die für alle akzeptabel sind. Auf der Grundlage kann weitergemacht werden.
4. Performing – Arbeitsphase
Es gibt nun eine gemeinsame Grundlage für das gemeinsame Vorhaben und es kann richtig losgehen mit der Arbeit. Die Rahmenbedingungen und die Ziele sind klar. Die Gruppe kann engagiert und zielgerichtet arbeiten – sich zeigen mit ihrem Können und ihrer Erfahrung und gemeinsam profitieren. Wenn der Gruppenvertrag an der einen oder anderen Stelle nicht funktioniert, kann er noch angepasst werden, ohne die gemeinsame Arbeit zu gefährden. Es herrscht eine hohe Stabilität in dieser Phase.
5. Re-Forming – Orientierungsphase
Früher oder später endet die Arbeitsphase. Am besten und auch spätestens, wenn die Gruppe das geplante gemeinsame Arbeitsziel erreicht hat. Die gemeinsamen Erfahrungen und Ergebnisse machen den Weg frei für neue Erfahrungen und neue Ziele. Nun beziehen sich die Einzelnen erstmal auf sich selbst, besinnen sich, machen sich das Erlebte und Geleistete bewusst, um neu und von vorne zu beginnen. In der Gruppe gibt es Unsicherheiten. Wie geht es jetzt weiter? Wie haben die anderen das Geleistete erlebt? Wollen wir weiter als Gruppe zusammenbleiben? Was sind unsere neuen Ziele oder verabschieden wir uns voneinander?
…. und so kann es weiter gehen oder man verabschiedet sich voneinander. Du beginnst vielleicht mit einer neuen Gruppe und durchläufst die gleichen Phasen.