In einer Stadt gibt es neben den städtischen Einrichtungen einen großen selbstorganisierten Bereich. Die Impulse für diesen Bereich kommen aus der Zivilgesellschaft. Vereine und Gruppen organisieren sich, gründen Kinderläden, Jugend- und Kultureinrichtungen, Sportstätten, Stadtteiltreffs, Theaterbühnen, Galerien und vieles mehr. Veranstaltungen wie z. B. Partys, Kunstausstellungen oder Flohmärkte sind angemeldet und von städtischer Seite genehmigt.
Und es gibt viele Veranstaltungen, die im sogenannten Graubereich stattfinden. Graubereich wird der Raum genannt, der zwischen zwei definierten Rändern entsteht – legal oder illegal. Dieser Bereich ist naturgemäß etwas diffus und häufig schwer zu greifen. Kulturakteur:innen nutzen den Graubereich bewusst, um die starren Grenzen aufzuweichen und flexibel Veranstaltungen organisieren zu können. Kultur im Graubereich ist gängige Praxis und gehört zu einer lebendigen Stadt.
Die öffentliche Meinung zum Thema »Graubereich« ist leider oft negativ und von Vorurteilen geprägt. Solche Events werden mit Kontrollverlust verknüpft und den Organisator:innen wird eine vermeintlich mangelnde Vor- und Nachbereitung vorgeworfen. Es bestehen Befürchtungen hinsichtlich des Ansehens und der Ordnungsstruktur der Stadt. Die Vorteile von Kulturveranstaltungen aus diesem speziellen Bereich werden häufig nicht wahrgenommen und positive Argumente zu dem Thema in der Diskussion kaum zugelassen.
Wir möchten mit diesen Texten Ängste abbauen, Mut zusprechen und Denkanstöße zu dem Thema geben, die eine andere Sichtweise ermöglichen. Die Nutzung des Graubereichs ist ein legitimes Mittel der Selbstverwirklichung.