Du hast mit deinem Kollektiv oder deinem Verein eine Veranstaltung im öffentlichen Raum geplant und willst diese demnächst umsetzen? Egal, ob einen Rave direkt an der Ihme oder einem Straßenfest in deinem Stadtteil – es gibt Gesetze, Verordnungen und Auflagen für dein Vorhaben. Verschiedene Genehmigungen und Anträge werden dich begleiten bei der Vorbereitung der Veranstaltung. Das hört sich erstmal abschreckend an? In diesem Text soll dir deine Angst vor dem ganzen Fachjargon der Gesetzestexte und unendlichen Auflagen möglichst genommen werde. In Werkzeuge und Instrumente zum Stadtmachen wird dir erklärt, was du bei der Durchführung einer Veranstaltung in privaten Räumen und in öffentlichen Räumen alles berücksichtigen musst. Wenn du dich im Graubereich bewegst, gibt es auch hier einige Regeln, die du unbedingt beachten solltest. Außerdem werden dir in diesem Abschnitt zusätzlich mögliche Anlaufstellen für Vermittlungen, Angebote und Beratungen in Sachen Veranstaltungsdurchführung näher gebracht und aufgezeigt.
• Welche Werkzeuge und Instrumente zum Stadtmachen gibt es im Graubereich?
Im Graubereich zu arbeiten, heißt nicht fahrlässig zu arbeiten, sondern Lücken im System klug zu nutzen. Im selbstorganisierten Bereich können eigene Auflagen gelten, die aber gut funktionieren müssen. Die Eigenverantwortung bei solchen Projekten ist sehr hoch. Ihr seid häufig allein bzw. nur als Team dafür verantwortlich, dass eine Veranstaltung gut und sicher für alle Beteiligten verläuft. Wenn Veranstaltungen im Graubereich in der Vergangenheit schief gelaufen sind, dann lag es häufig daran, dass zu naiv agiert wurde. Orte, an denen Veranstaltungen stattfanden, waren schlecht ausgewählt. Es gab kein schlüssiges Sicherheits- und Müllkonzept. Es wurde zu auffällig und nachlässig gehandelt. Das ist ärgerlich und schlimmstenfalls gefährlich. Daher ist gute Vorbereitung sehr wichtig!
Betrachtet diese Tipps als Hilfestellung und Werkzeug, um damit Kulturarbeit im Graubereich sicherer meistern zu können:
• Die Sicherheit steht immer an oberster Stelle. Wenn es nötig ist, Ordnungskräfte oder den Rettungswagen zu rufen, zögert nicht. Die Angst vor einer möglichen Strafe wegen eines illegalen Raves steht in keinem Verhältnis zur Sicherheit aller Beteiligten.
• Haftpflichtversicherungen sind nicht schlecht, wenn einzelne Menschen als Verantwortliche herausgepickt werden können. Eine Veranstaltungsversicherung ist besser!
• Es ist möglich, durch Tagesmitgliedschaften in einem Verein um Sicherheitsbestimmungen herumkommen, wie z.B. Anwesenheit von Sanitäter:innen.
• Wenn ihr eine Förderung bekommt, stellt das Logo der Stadt gut sichtbar aus, auch um die Legitimität zu erhöhen.
• Sensibilisiert eure Besucher:innen für die Situation. Wichtig sind: Gegenseitige Achtsamkeit, Vermeidung von unnötigem Lärm und Müll, besonders bei illegalen Veranstaltungen.
• Die Verantwortung für Events sollte nicht an Einzelnen hängen bleiben. Vielmehr sollte als Kollektiv gehandelt und kommuniziert werden. Es ist ratsam, bei Polizeikontrollen vorsichtig, bedacht aber auch kooperativ zu sein. Bedenkt: Äußerungen können auch gegen euch verwendet werden.
• Öffentliches Werben kann zu Problemen führen. Fragt euch deshalb, wie ihr nach Außen kommunizieren wollt? Internetseite, Flyer, Mundpropaganda, Chats?
• Wenn es zu einer Kontrolle kommt oder diese wahrscheinlich ist, sollte es so aussehen, dass es sich um eine nicht öffentliche Veranstaltung handelt und dies sollte möglichst auch nachprüfbar sein, z.B. daran, dass alle sich kennen oder Vereinsmitglieder sind.
• Generatoren für Strom sind laut und dreckig. Eine Alternative bieten hierbei Boxen, die mit leistungsstarken Akkus ausgestattet sind.
• Boxen eher leicht gegen den Boden neigen, entgegen der Häuser. Die Boxen nicht Richtung Wasser ausrichten, da dieses den Schall besonders gut trägt.
• Achtet auf Naturschutzgebiete, Brut- und Setzzeit.
• Wenn es eine einmalige oder eher unregelmäßige Veranstaltung werden soll, hinterlasst keine Spuren!
• Essen, Trinken und Eintritt sollten frei oder auf Spendenbasis sein. Dies gilt nicht nur, um Einnahmen unversteuert entgegennehmen zu können, sondern aus reiner Solidarität gegenüber Geringverdiener:innen.
• Bedenkt, dass professionell aufgezogene Veranstaltungen mehr kritische Fragen nach Genehmigungen auslösen werden als spontan wirkende Events.