Eine Szene beschreibt ein loses, netzwerkartiges Gebilde von meist jungen Menschen, die freiwillig gemeinsame Interessen, Wertvorstellungen und Freizeitaktivitäten teilen. Eine Szene wächst zunächst in kulturellen Nischen über einen längeren Zeitraum, meist organisch und frei. Weist eine Stadt eine breite Szenelandschaft auf, gilt sie insbesondere für junge Menschen als lebenswert. Stadtteile, in denen sich die Szene niederlässt, sind Hipp. Eine lebendige Szene zeichnet sich durch gute Vernetzung aus, die innerhalb wie auch nach außen hin funktioniert. Im besten Fall kombiniert die Szene Gemeinschaft und Wissen.
Wie ist es um Hannovers Kulturszene bestellt? Zu jeder der hier vorgestellten Unterkategorie wird es ein paar Beispiele geben, die als Orientierungspunkte dienen.
• Bildende Künste
Zur Szene der bildenden Kunst gehören verschiedenen Galerien, Projekträume und Ateliers. Unter anderem die Galerie Bohai, Galerie Brutal oder die Tanke in der Südstadt zählen dazu. In Hannover gibt es relativ viele solcher Orte. Zum einen liegt es an der Atelier- und Projektraum-Förderung und dem Innovationsfond. Und es gibt noch Plätze und Räume, in der Stadt etwas zu erproben. Den Akteur:innen geht es häufig darum, junge Kunst zu zeigen, die frische Positionen vertritt.
• Darstellenden Künste
Die Szene der Darstellenden Künste besteht aus der freien Theater- und Performance-Szene. Es gibt feste Spielstätten, aber auch immer wieder einzelne Events im Außenraum und in Zwischenräumen, wo klassisches Bühnenspiel an ungewöhnlichen Orten inszeniert wird. Die Agentur für Weltverbesserungspläne oder das Theater an der Glocksee sind zwei gute Beispiele für die Vielfältigkeit der Szene.
• Musikszene
Da Hannover Unesco City of Music ist, darf natürlich die Musikszene hier nicht fehlen. Diese reicht vom niedrigschwelligen Raveangebot bis zur etablierten Musikinstituiton, von Straßenkonzerten bis zur experimentellen Musik. Eine feste open Air Gelegenheit bietet z.B der Kulturhafen. Das Orchester im Treppenhaus verbindet klassische Musik und besondere Orte zu einzigartigen Live-Erlebnissen.
• Literatur
Auch die Literatur findet in Hannover natürlich ihren Platz, und wie! Mit der Veranstaltungsreihe Macht Worte, welche an unterschiedlichen Orten in der Stadt Live-Lesungen und Poetry-Slam anbietet, gibt es ein schon ein sehr spannendes und überregional bekanntes Format. Eine feste, etablierte Größe ist darüber hinaus das etwas klassischer ausgerichtet Literaturhaus Hannover, welches im Künstlerhaus beheimatet ist.
• Festivals
Die Festivalszene arbeitet gern interdisziplinär und vereint bei ihren Veranstaltungen verschiedenen Kunstformen miteinander. Von bildender Kunst zur Musik über gesellschaftspolitische Initiativen. Es geht ihnen darum, ein möglichst stimmiges Gesamtwerk zu schaffen. In Hannover und der Region gibt es unter anderem mit dem Fuchsbau und dem SNNTG Festival zwei gute Orientierungspunkte dazu. Die Akteur:innen solcher Initiativen sind neben der Festivalorganisation häufig auch in anderen kulturellen Bereichen sehr umtriebig.
• Initiativen
Neben diesen »klassischen« Kulturszenen, gibt es natürlich noch Menschen und Gruppen, die einen stärkeren (kultur)politischen Anspruch verfolgen. Es werden Fragen gestellt, wie sich eine Stadt solidarisch entwickeln kann, wie dabei der Klimaschutz mitgedacht und allgemein eine Stadt sich kulturell neu erfinden kann. Wie eine alternative Stadt aussehen kann, ist gut beim PLATZprojekt zu sehen, aber auch bei den Ideen von Kultur des Wandels.
Daran anschließend gibt es weiterhin noch Initiativen, die in ihrem Selbstverständnis und in ihren Projekten einen starken soziokulturellen Fokus haben. Interkulturelle Projekte, Workshops und Festivals setzen sich unter anderem mit Fragen zu (post-)migrantischen Perspektiven auseinander und wie eine diverse und solidarische Gesellschaft aussehen kann. Das Cameo Kollektiv und das CLINCH Festival im Pavillon sind gute Beispiele dafür.
• Kulturzentren
Als alte Hasen in der Kulturszene können getrost die etablierten, festen Kulturzentren bezeichnet werden. Sie sind wichtige und häufig erste Bezugspunkte für die Menschen in einem Viertel. Sie leisten neben den kulturellen Angeboten vielfältige Stadtteil- und Bildungsarbeit. Sie sind ein Beispiel von gelungener Verstetigung. Das heißt, sie sind zu einem langjährigen und wichtigen Bestandteil der lokalen kulturellen Szene. In Linden z.B. gibt es seit 1991 die FAUST. Der Pavillon in der Nähe des Hauptbahnhofes ist sogar schon seit 1976 vor Ort aktiv.
• Netzwerken
Im kulturellen Sektor gehört das Netzwerken dazu, also der Zusammenschluss verschiedener Menschen und Initiativen, die zu einem Thema arbeiten. Ohne Kooperation ist gute Kulturarbeit kaum möglich. Es gibt Vereine und Initiativen, die sich bewusst diesem Thema verschrieben haben und versuchen, die kreativen Fertigkeiten von verschiedenen Menschen zu bündeln und zusammen zu führen. In Hannover machen dies zum Beispiel der Aufnahmezustand oder auch das kreHtiv Netzwerk. Der Aufnahmezustand hat sich im Oktober 2021 zu dem Verein für Freie Kunst und Kultur Hannover zusammengeschlossen und kann nun die Freie Kulturszene wirksamer vertreten.
Was auch eindeutig zur kulturellen Szene zugerechnet werden muss, sind die Alternativsportstätten und Vereine. Diese haben einen starken Fokus auf Sport, wie Skateboard fahren und BMX. Ihnen liegt auch die Jugendarbeit und die Stadtentwicklung sehr am Herzen. Zwei wichtige Orte für Hannover sind das 2erGelände und das Gleis D.