• Warum Kooperationen?
Wenn es um Kooperationen geht, dann fliegen oft Wörter durch den Raum wie Networking und Synergien. Aber eigentlich geht es schlicht und ergreifend um Zusammenarbeit. Was Du also bereits in deinem Team / Kollektiv tust, gemeinsam an einer Sache arbeiten, das kannst du auch mit einer anderen Institution, Verein, Kollektiv, etc. machen. Was du dabei lernen kannst, sind neue Arbeitsweisen, andere Perspektiven, Erfahrungswissen, unerprobte Ideen, erfolgreiche Methoden.
Gerade bei politischen Themen lohnt es sich, Kooperationen einzugehen. So ist klar, dass du und deine Kooperationspartner:innen ein gemeinsames Ziel verfolgen. Willst du z. B. eine Ausstellung zur Diversität in deinem Stadtteil machen, ist es empfehlenswert sich mit einem Verein zusammenzutun, der bereits zum Thema arbeitet. So kannst du von bereits vorhandenem Wissen und Kontakten, eventuellen Räumlichkeiten und einer bereits vorhandenen Öffentlichkeit profitieren.
• Recherche
Um herauszufinden, ob eine Zusammenarbeit möglich ist, ist eine ausführliche Recherche zu empfehlen. Was macht die Organisation aus, mit der du zusammenarbeiten möchtest. Woran haben sie in den letzten Jahren gearbeitet? Wie ist die Initiative strukturiert? Ist es ein alter oder ein kürzlich gegründeter Verein? Haben sie bereits Erfahrung mit Kooperationen? Erhalten sie öffentliche Förderung, Sponsoring oder finanzieren sie sich durch Spenden?
Solche Fragen können dir darüber Aufschluss geben, ob ihr gemeinsame Interessen, Sichtweisen und Praxen verfolgt oder was ihr eventuell voneinander lernen könntet.
Wenn du deine Recherche abgeschlossen hast, gilt es Kontakt aufzunehmen. Das kann auf verschiedenste Art und Weise passieren. Wenn der Verein / das Kollektiv eigene Räumlichkeiten hat, kannst du zu einer Veranstaltung von ihnen gehen. So erhältst du Einblick in ihre Arbeit und hast die Möglichkeit, ihnen direkt auch persönlich zu begegnen. Dann gibt es Netzwerktreffen, zu denen sich verschiedene Vereine und Initiativen begegnen. Derartige Treffen sind oft formelle Anlässe, um Kontakte zu knüpfen. Natürlich kannst du auch eine E-Mail schreiben oder anrufen und um ein Treffen bitten.
Nun gilt es sich abzutasten: Am besten bringst du Ideen mit zum ersten Gespräch, so kann dein Gegenüber eine Vorstellung von der möglichen Zusammenarbeit bekommen. Sei offen für Änderungsvorschläge und Kritik, denn Zusammenarbeit heißt auch immer bereit zu sein, Kompromisse einzugehen und voneinander zu lernen! Eine Kooperation sollte im Bestfall nicht mehr Arbeit für dich und dein Kollektiv bedeuten, denn die Idee ist, Ressourcen zu bündeln und die Last auf verschiedene Schultern zu verteilen. Der gewünschte Nebeneffekt ist, »sich gegenseitig zu fördern«, Synergie!
• How to Community-Arbeit?
Während Kooperationen oft kurzweilig sind, ist Community-Arbeit langfristig ausgelegt. Aber fangen wir von vorne an: Was ist eine Community? Eine Community ist eine Gruppe von Menschen, die ein Gemeinschaftsgefühl teilen. Meist kennen sich die Personen dieser Community nicht persönlich, aber es gibt vereinende Identitätsmerkmale wie politische Sichtweisen, der Wohnort, der kulturelle Hintergrund, die sexuelle Ausrichtung oder geteilte Interessen. Oft trifft sich eine solche Community an bestimmten Orten z.B. Kulturzentren, Bars, Sportvereinen, Marktplätzen oder eben auch online.
Überlegst du ein Festival in einem Dorf zu machen oder in einer queeren Bar und gehörst nicht selbst zu dieser Gemeinschaft, dann gilt es Community-Arbeit zu betreiben, insbesondere wenn du diesen Ort öfter als Austragungsort deiner Veranstaltung wählst. Warum, fragst du dich? Eine Kulturveranstaltung organisiert sich nicht von selbst, genauso wie du dein Team / Kollektiv brauchst, um etwas auf die Beine zu stellen, brauchst du Verbündete aus der Community, die dich entweder tatkräftig oder ideell unterstützen. Umgekehrt geht es natürlich auch, vielleicht möchtest du dich mit einer Community solidarisieren, dich für sie einsetzen oder etwas für deine Community tun.
• Multiplikator:innen
Da eine Community heterogen und unstrukturiert ist, ist der erste Schritt um Kontakt zu knüpfen, mit Multiplikator:innen ins Gespräch zu kommen. Ein:e Multiplikator:in ist eine Person oder eine Initiative, die Erfahrungswissen und Informationen über die Community besitzt und zu deren Verbreitung beitragen kann. Die Person bzw. Initiative hat meist einen guten Ruf in der Community und ist bestens vernetzt, kennt die Bedürfnisse und Wünsche durch unzählige Gespräche mit den Menschen vor Ort. Regelmäßige Treffen mit einer:m Multiplikator:in sind unabdingbar für die Etablierung einer langfristigen Arbeit in der Community. Eine andere Möglichkeit ist es, einen Aufruf zu Starten und Mitglieder der Community zu einem informellen Treffen einzuladen. Nun gilt es mit dem:r Multiplikator:in oder einzelnen Mitglieder der Community herauszufinden, was die Bedürfnisse, Probleme und möglichen Lösungen für die Community sein können. Auch hier ist eine Recherche und der Austausch mit anderen sehr hilfreich. Ist diese Phase abgeschlossen, gilt es die Planung einer Aktion bzw. Veranstaltung anzugehen. Je früher die Community bei der Programmgestaltung mit einbezogen wird, desto eher werden sich die Menschen dieser losen Gruppe angesprochen fühlen, mit anpacken und einbringen. Ein Gemeinschaftsgefühl wird entstehen. Vor allem hat die Einbeziehung der Community den Vorteil, dass sehr viel Wissen geteilt wird und so auch verhindert werden kann, dass Ausschluss-strukturen sich verstetigen. Gleichzeitig erhalten Mitglieder der Community Einblick in den Prozess der Durchführung einer Veranstaltung. So entsteht ein Lernen auf Augenhöhe, abseits des erklärten Ziels der Veranstaltung.
Insbesondere bei Community-Arbeit gilt: Vor der Action ist nach dem Feedback. Hol dir also Rückmeldung aus der Community: Was lief gut? Was lief weniger gut? Was konnte die Community mitnehmen? Gibt es Verbesserungsvorschläge? Welchen Themen sollte sich in der Zukunft gewidmet werden? Welche weiteren Aktionen werden gewünscht?
PRO TIPP
Wenn Du ein Festival in der Nähe eines Dorfes organisierst, kann dir eine solide Community-Arbeit den ein oder anderen Polizeieinsatz wegen Lärmbelästigung ersparen! Hat es am Festivalwochenende geregnet und die Autos kommen nicht vom Parkplatz, könnte der / die benachbarte Bäuer:in mit einem Trecker zur Hilfe eilen. Das Trinkgeld ist dann nur die Kirsche auf der Sahnetorte.