• Mut zum Experiment
Nun geht’s also ans Eingemachte! Zu Beginn lohnt es sich, nicht alles mit gewohnt deutscher Gründlichkeit auf den Prüfstand zu stellen. Mut zum Experiment!
Der wohl einfachste Einstieg ist die Nutzung öffentlicher Räume durch offene, allen zugängliche Angebote. Beim Grillen im Park mit der Nachbar:innenschaft, einem Drink mit Anwohnenden, oder beim Spaziergang durch den Kiez – lernt euch kennen und schmiedet Pläne! Das alles und noch viel mehr ist genehmigungs- und gebührenfrei umsetzbar. Dafür können Decken, Klapptische, Stühle, eine Musikbox und weitere Alltagsgegenstände genutzt werden. Das Stichwort lautet: Gemeingebrauch. Solange die Öffentlichkeit teilhaben kann und die Rechte sowie die Freiheiten der Menschen nicht eingeschränkt werden, ermöglicht dir die Demokratie diesen Handlungsspielraum.
• Bauliche Eingriffe
Eine Nummer größer wird das Ganze, wenn du den Ort tatsächlich veränderst und somit einen bleibenden Eindruck hinterlässt. Bauliche Eingriffe im Straßenraum, auf Plätzen, im Park oder auf Brachflächen sind in einem gewissen Maße umsetzbar, wenn sie von Politik und Verwaltung oder anderen betroffenen Akteur:innen geduldet werden. Eine Duldung kann auch soweit gehen, dass aufwendige Bau- oder Nutzungsgenehmigungen ausgesetzt werden und den selbstorganisierten Projekten ein größerer Ermessensspielraum zugesprochen wird. Prominente Beispiele dafür sind besetzte Häuser oder Wagenburgen in Hannovers Norden. Manche Veränderungen fallen den Behörden gar nicht erst auf, andere sorgen für eine direkte Verbesserung der aktuellen Situation. Über eine bepflanzte und gepflegte Baumscheibe oder eine zweistündige Kinovorführung an der Hauswand wird sich schon niemand beschweren. Ist die Umnutzung einer Fläche ein langersehnter Wunsch oder die ausdrückliche Forderung der Bürger:innen, hat dein Vorhaben gute Chancen weiterentwickelt und unterstützt zu werden.
• Freiräume
Eine Initialnutzung kann auch die zündenden Ideen liefern! Hierbei handelt es sich um die Zwischennutzung eines Leerstands oder einer Brachfläche. Diese Freiräume sind Experimentierfelder für das Erproben von zukünftigen Gestaltungsmöglichkeiten, Nutzungen und Netzwerken. Somit leben sie von dynamischen Verläufen und sind offen für Veränderung. Durch ihren oft kurzlebigen Charakter bieten sie vielen Menschen einen Raum zur Entfaltung ihrer Ideen, aber keine langfristige Perspektive. Hier lauert die Gefahr! Die Raumpioniere werden zu guter Letzt durch die profitorientierten Interessen privater Investor:innen verdrängt.
• Ein gutes Konzept
Du merkst, auch die Zeit spielt eine wichtige Rolle. Um dir die Planung und Umsetzung zu erleichtern und aus verschiedenen Bausteinen ein Gesamtwerk zusammenzusetzen, ist ein Konzept hilfreich. Entweder entwickelst du eigene, ganz spezielle Schritte für dein Vorhaben, oder du verknüpfst deine Ideen mit einem bereits bestehenden Projekt und füllst die Lücken. Die Kombination aus Beidem ist natürlich auch eine Option. Die Stadt hat in diesem Fall so einige Anknüpfungspunkte auf dem Tisch: Mein Hannover 2030, Freiraumentwicklungskonzept, Stadtentwicklungskonzept, Kulturentwicklungsplan und das Klimaschutzprogramm sind nur einige Beispiele.
Sollte sich dein Projekt schwieriger umsetzen lassen als gedacht, beispielsweise durch auftretende Meinungsverschiedenheiten oder unterschiedliche Vorstellungen zur Nutzung der Fläche, ist das gemeinsame Aushandeln einer Lösung notwendig! Ein Runder Tisch mit allen beteiligten Parteien ist dafür ein geeignetes Mittel. In diesem Mini-Parlament treffen die unterschiedlichen Interessen auf Augenhöhe zusammen und werden diskutiert, abgewogen und in Einklang gebracht. Besonders hilfreich ist in diesem Fall eine neutral geführte Moderation und das Festhalten der Ergebnisse in einem Protokoll.
• Sharing is caring!
Zum Abschluss sei noch eins gesagt: Sharing is caring!
Das fängt bei einfachen, grundlegenden Informationen an und setzt sich bei der Kommunikation mit den verschiedenen, involvierten Akteur:innen fort. Transparenz sorgt immer für Vertrauen und lässt viele Probleme gar nicht erst entstehen!
Sharing is caring lautet auch das Motto beim Einsatz von Werkzeug und nötiger Infrastruktur. Gerade als Starthilfe sind das unerlässliche Hilfspakete, die dir gestandene Vereine oftmals gern zur Verfügung stellen. Und auch die nötige Finanzspritze darf nicht fehlen! Entweder über kleinere Summen im Rahmen einer Mikroförderung durch private Vereine oder Verbände, Anträge bei einer Stadtteilstiftung sowie einem Quartiersfonds, oder über Fördertöpfe von kommunaler, landes- und bundesweiter bis europäischer Ebene.