Awareness
Wer Veranstaltungen durchführt, möchte, dass alle Menschen sich auf dieser Veranstaltung wohlfühlen und eine gute Zeit haben. Leider funktioniert das nicht immer. Dies kann z.B. durch übergriffiges / grenzüberschreitendes und / oder diskriminierendes Verhalten geschehen. Hier kommt das Thema »Awareness« ins Spiel.
• Was bedeutet Awareness?
Der Begriff »Awareness” kommt aus dem Englischen »to be aware« und bedeutet (im weiteren Sinne) »sich bewusst sein, sich informieren, für gewisse Problematiken sensibilisiert sein«. Gemeint ist ganz allgemein ein achtsamer und respektvoller Umgang miteinander.
Wir leben in einer Gesellschaft, die leider von ungleichen Machtverhältnissen geprägt ist. Menschen werden aufgrund bestimmter Merkmale bevorteilt (Privilegierung) und benachteiligt (Diskriminierung) – ob absichtsvoll oder unbewusst ausgeübt.
Awareness ist ein Konzept, das sich gegen jede Form von Diskriminierung, Gewalt und Grenzverletzungen stellt. Denn verletzendes und grenzüberschreitendes Verhalten, wie z.B. sexistische, rassistische, homo-, transphobe, oder vergleichbare Übergriffe, verdient keine Toleranz.
• Intern: Awarenessarbeit im Team / im Vorfeld der Veranstaltung
Wenn Ihr eine Veranstaltung durchführt und ein Awarenesskonzept erstellen möchtet, ist es gut, euch zuerst Gedanken, um eure Haltung zu machen. Was wollt Ihr beachten? Wen wollt ihr ansprechen? Worüber möchtet ihr informieren?
Awareness ist ein Querschnittsthema, welches in allen Arbeitsbereichen der Veranstaltung mitgedacht und umgesetzt werden kann und sollte. Dafür ist es hilfreich, sich die einzelnen Handlungsbereiche genauer anzuschauen – wie z. B. das Booking, die Szenografie, die Schulung des Bar- und Security-Personals sowie das Mobilitätskonzept, um nur einige zu nennen. Es lohnt sich, folgende Frage zu stellen: Inwiefern setzen diese Bereiche Diskriminierung fort oder befördern sie? Wie können die einzelnen Bereiche genutzt werden, um bewusst präventiv gegen Diskriminierung und Ausschluss vorzugehen? Sprich, gibt es ruhige Orte zum Ausruhen? Wie ist die Beleuchtung? Gibt es einen Handlungsplan im Fall von Diskriminierung und Gewalt?
• Extern: Awarenessarbeit währen der Veranstaltung / für die Gäste
Wie verhaltet ihr euch, wenn sich die betroffene Person den Ausschluss der gewaltausübenden Person wünscht? Welche Konsequenzen kann die Awarenessgruppe in Bezug auf die subjektive Wahrnehmung der betroffenen Person durchsetzen? Wo liegen die Grenzen? Wie handelt ihr, wenn die betroffene Person sich eine Sanktion wünscht, die ihr nicht umsetzen könnt? Und wie verhaltet ihr euch, wenn ihr in Kenntnis einer strafrechtlich relevanten Tat seid, aber die betroffene Person die Polizei nicht hinzuziehen möchte? Dies sind ein paar Beispiele, über die ihr euch Gedanken machen solltet.
Bei größeren Veranstaltungen ist es ratsam, ein Awareness-Team zu bilden, dass einen Leitfaden für genau diese Situationen entwickelt. Dieses Team trägt bei der Veranstaltung die Aufgabe, für betroffene Personen ansprechbar zu sein, ihnen zur Seite zu stehen und sie zu unterstützen. Die Personen dieses Teams sollten während der Veranstaltung unbedingt nüchtern bleiben und für die Gäste stets erreichbar und sichtbar sein. Überlegt euch gut, wer in diesem Awareness-Team dabei sein soll. Das Awareness-Team sollte nach Möglichkeit divers aufgestellt sein.
Eine erweiterte Aufgabe des Awareness-Teams bei der Veranstaltung ist es, einen Rahmen zu schaffen, in dem sich betroffene Personen nach einem Übergriff geschützt fühlen. Das kann u.a. heißen, dass sie zur Ruhe kommen können, ihr Selbstwertgefühl gestärkt wird und sie ihre Handlungsfähigkeit wiedererlangen. Es geht darum, das Gefühl von Ohnmacht und Ausgeliefertsein zu überwinden und zu vermitteln, dass persönliche Grenzen, egal, wo sie liegen, gerechtfertigt sind und geachtet werden müssen.
Zu guter Letzt denkt noch dran, dass ihr auch selbst auf euch acht gebt. Wenn ihr mal einer Situation nicht gewachsen seid, sucht euch Unterstützung.